Betriebliche Gesundheitspolitik

Der Rahmen

Das Bild zeigt als Rahmen die unternehmerische Aufgabe gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Der aktuelle Rahmen hierzu ist in der DIN ISO 26000 seit 2012 bestimmt.

System Betrieblicher GesundheitspolitikDie Prozessebene

In diesem Bild ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) die „PROZESSEBENE“, für die Säulen des BGM. Definiert wurde der Prozess aktuell (2012) in der DIN SPEC 91020.

Der Kernprozess, der alle Elemente eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements verbindet, ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist damit der zentrale betriebliche, diagnostische Hebel, der das betrieblcvihe Handeln steuert und gestaltet.

Die Säulen (Handlungsfelder) des BGM

  • Arbeitsschutz

Die wichtigste Säule der Handlungsfelder ist der Arbeitsschutz. Alle neu entstehenden Instrumente für den Gesundheits- und Arbeitsschutz müssen mittelfristig in den Arbeitsschutz integriert werden. In der betreibliche Umsetzung ist der Arbeitsschutzausschuss mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit und den Sicherheitsbeauftragten für die betriebliche Umsetzung verantwortlich.

  • Betriebliches Konfliktmanagement

Dem Betrieblichen Konfliktmanagement (BKM) kommt neben dem Arbeitsschutz eine besondere Bedeutung zu, da es die Handlungsebene einer betrieblichen Gefährdungsbeurteilung für „Psychische Belastungen“ darstellt.

  • Betriebliche Gesundheitsförderung

Mit dem GKV-Leitfaden Prävention hat der GKV-Spitzenverband in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Krankenkassen auf Bundesebene die inhaltlichen Handlungsfelder und qualitativen Kriterien für die Leistungen der Krankenkassen in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) fest (§§ 20 und 20a SGB V), die für die Leistungserbringung vor Ort verbindlich gelten festgelegt.

Primärprävention nach § 20 Abs. 1 SGB V


Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten mit den Präventionsprinzipien

  • Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität
  • Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme

Handlungsfeld Ernährung mit den Präventionsprinzipien

  • Vermeidung von Mangel- und Fehlernährung
  • Vermeidung und Reduktion von Übergewicht

Handlungsfeld Stressmanagement mit den Präventionsprinzipien

  • Förderung von Stressbewältigungskompetenzen
  • Förderung von Entspannung

Handlungsfeld Suchtmittelkonsum mit den Präventionsprinzipien

  • Förderung des Nichtrauchens
  • Gesundheitsgerechter Umgang mit Alkohol / Reduzierung des Alkoholkonsums

Betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20a SGB V

  1. Handlungsfeld Beratung zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung (verhältnispräventive Ausrichtung) mit den Präventionsprinzipien:
  • Gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitstätigkeit und –bedingungen
  • Gesundheitsgerechte Führung
  • Gesundheitsförderliche Gestaltung betrieblicher Rahmenbedingungen (Bewegungsförderliche Umgebung, Gesundheitsgerechte Verpflegung im Arbeitsalltag, Verhältnisbezogene Suchtprävention im Betrieb)
  1. Handlungsfeld Gesundheitsförderlicher Arbeits- und Lebensstil (verhaltenspräventive Ausrichtung) mit den Präventionsprinzipien:
  • Stressbewältigung und Ressourcenstärkung
  • Bewegungsförderliches Arbeiten und körperlich aktive Beschäftigte
  • Gesundheitsgerechte Ernährung im Arbeitsalltag
  • Verhaltensbezogene Suchtprävention im Betrieb

Empfehlung einer kombinierten Durchführung von verhaltens- mit verhältnisbezogenen Maßnahmen im Rahmen der praktischen Umsetzung der BGF

  1. Handlungsfeld Überbetriebliche Vernetzung und Beratung mit dem Präventionsprinzip:
  • Verbreitung und Implementierung von BGF durch überbetriebliche Netzwerke
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement

Das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) im Sinne des § 84 SGB IX geht über die bisherigen Präventionsmaßnahmen von Unternehmen hinaus und ergänzt diese. So verpflichtet der neu eingeführte Absatz 2 Satz 1 des § 84 zur Intervention, wenn ein Beschäftigter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig ist. Diese Intervention soll systematisch und betriebsspezifisch erfolgen, sie verlangt eine aktive Herangehensweise der betrieblichen Akteure. Das BEM muss im ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) verankert werden.

  • Betriebliche Suchtprävention und andere Handlungsfelder

Die betrieblichen Programme für die Suchthilfe haben wesentlich zu einem Verständnis von Alkoholismus und anderen Formen der Abhängigkeit als behandlungsbedürftige Krankheiten beigetragen. Die Expertise zu den „Standards der Alkohol-, Tabak-, Drogen- und Medikamentenprävention in deutschen Unternehmen und Verwaltungen“ (2005) hat den Rahmen für Aktivitäten und Ansätze in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe gesteckt.

  • Demographischer Wandel
  • Change Management

Aus betriebliche Veränderungen ergeben sich regelmäßig Anforderungen an die Betriebliche Gesundheitspolitik und in der Umsetzung betriebsbezogene Handlungsfelder.

Das Fundament

Eine Vielzahl von Gesetzen sind das Fundament gesellschaftlicher Verantwortung von Betrieben und einer betrieblichen Gesundheitspolitik. Aus der Sicht von Betriebsräten sind dies:

  • Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
  • Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)[1]
  • Das Sozialgesetzbuch V (SGB V)[2]
  • Das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX)[3]
  • Das Gesetz zur Arbeitssicherheit (ASiG)[4]

Für die Umsetzung stehen eine Vielzahl von Verordnungen und Normen im Mittelpunkt. Im Wesentlichen sind dies:

  • Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • Die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
  • Die Gewerbeordnung (GewO)
  • Die DIN ISO 26000[5]
  • Die DIN SPEC 91020[6]
  • Die DIN EN ISO 9001[7]
  • Die OHSAS 18001[8]
  • Die ISO 14001[9]
  • Die DIN EN ISO 10075[10]

Es ist zwingend erforderlich, dass die Geschäftsleitung den Prozess nicht nur unterstützt, sondern der Prozess des betrieblichen Gesundheitsmanagements in die Management-Werkzeuge implementiert wird und strategisches Ziel und Vision des Unternehmens ist.

Ausreichende Ressourcen (Finanzen, Arbeitszeit, Räume) und eine betriebliche Organisationseinheit, zuständig für BGM – wie es heute bereits eine Stelle für die Qualitätssicherung gibt – drücken das aus.

[1] Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG)

[2] Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung

[3] Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch (IX) – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

[4] Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (ASiG)

[5] Leitfaden, der Orientierung und Empfehlungen gibt, wie sich Organisationen jeglicher Art verhalten sollten, damit sie als gesellschaftlich verantwortlich angesehen werden können.

[6] „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ legt Anforderungen an ein Betriebliches Gesundheitsmanagementsystem fest.

[7] Prozesssicherheit der Abläufe im Unternehmen, Festlegungen und Dokumentation, Steigerung der Effizienz, nachweisliche Erfüllung von Anforderungen, Verantwortung der Leitung, Management von Ressourcen, Zielrealisierung, Messung, Analyse und Verbesserung

[8] Arbeitsicherheit und Gesundheitsschutz (Occupational Health and Safety Assessment Series) betrachtet das Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanagementsystem (A&G-System) produzierender Betriebe

[9] Umweltmanagementnorm ISO 14001 legt anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem (Kontinuierlichen Verbesserungsprozess … Methode Planen-Ausführen-Kontrollieren-Optimieren (Plan-Do-Check-Act, PDCA)) fest

[10] definiert als Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken, die psychische Belastung, Teil 2 regelt die Gestaltungsgrundsätze, Teil 3 die Anforderungen an Verfahren zur Messung und Erfassung psych. Belastungen

 

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