Mobbing

Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte Definition von Mobbing. Vielmehr existieren zahlreiche Variationen, die das Phänomen mit unterschiedlichem Fokus beleuchten (vgl. Merk 2004:159ff). Einige bedeutende Definitionen werden im Folgenden aufgeführt. In ihnen finden sich wesentliche Merkmale, die helfen, Mobbing von einem normalen Konflikt zu unterscheiden:

  • „Mobbing ist das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte.“ Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 15.01.1997; in: Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation Universität Trier (2005:9)
  • „Mobbing ist ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden, und dessen ungebremster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden, und der regelmäßig im Verlust ihres bisherigen beruflichen Wirkbereichs endet“  Wolmerath, Martin (2001:321)
  • Mobbing ist „… eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. (…) Mobbing ist dann gegeben, wenn eine oder mehrere von 45 genau beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommt.“ Leymann 1993:21f)

Die letzte Definition ist in der Öffentlichkeit sehr bekannt und wird häufig zur Beschreibung des Phänomens Mobbing verwendet. Sie entspricht in einigen Passagen allerdings nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung. Dies betrifft zum einen die starre Festlegung der aufgeführten 45 Mobbinghandlungen. Diese sind ergänzungsbedürftig bzw. zum Teil nicht mehr zeitgemäß. Durch die berufliche Nutzung elektronischer Medien ist zum Beispiel eine Vielzahl neuer aggressiver Verhaltensweisen gegenüber anderen möglich geworden.

Zum anderen ist eine Modifizierung der statischen Beschreibung von Dauer und Häufigkeit der Angriffe erforderlich. So wäre es zum Beispiel nach der Festlegung auf „mindestens einmal pro Woche“ kein Mobbing, wenn jemand „nur“ alle zwei Wochen attackiert wird. Auch könnte nicht von Mobbing gesprochen werden, wenn eine Person lediglich vier Monate regelmäßigen Attacken ausgesetzt ist.

Urteile zum Thema Mobbing! Rechtsprechung AGG / Arbeits und Gesundheitsschutz / Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Typische Mobbingursachen

  • Das Arbeitsklima (—> Werkzeugkasten Prävention: Organisationskultur und Betriebsklima)
  • Die Arbeitsorganisation (—> Werkzeugkasten Prävention: Arbeitsorganisation und Organisationsentwicklung)
  • Das Führungsverhalten (—> Werkzeugkasten Prävention: Führung)
  • Ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen gekoppelt mit fehlender Transparenz

Quelle: Konfliktlösung am Arbeitsplatz. Analysen, Handlungsmöglichkeiten, Prävention bei Konflikten und Mobbing. Ein Handbuch für Führungskräfte.  Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-88139-160-3

http://www.sfs-dortmund.de/odb/Repository/Publication/Doc/1150/konfliktloesung_am_arbeitsplatz.pdf

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